Deutscher Nachwuchsfilmpreis 2007:

"Grenzgebiet Spiritual healing" von Lisei Caspers (* 1983) aus Großefehn;

Jurybegründung:
"Eine Dokumentation im besten Sinne. Die Regisseurin ist losgezogen, hat gesucht und hat gefunden... Die Neugier der 22jährigen hat uns beeindruckt. Wir wollen sie mit dem Preis nachdrücklich ermutigen, weiter Fragen zu stellen."

Video vom "Deutschen Nachwuchsfilmpreis" --- Int. Film Festival Hannover

Artikel in der Hannoveranischen Allgemeinen Zeitung --- Artikel.pdf


Filmrezension Spiritual Healing

Eine junge Filmemacherin erfährt von einem Heilverfahren, praktiziert auf den Phillipinen, das sie sich aus ihrem Weltbild heraus nicht zu erklären vermag. Dabei handelt es sich um verschiedene Methoden der Geistchirurgie. Angetrieben von ihrem Forschungsgeist beschließt die Filmemacherin eine Dokumentation über dieses Phänomen zu realisieren. In mehreren Etappen besucht sie die Phillipinen, arrangiert Treffen mit verschiedenen Heilern und spricht mit ihnen über ihr jeweiliges Verfahren, sowie den Bezug zu ihrer Heilmethode. Gespräche mit unterschiedlichen Patienten garantieren eine inhomogene Perspektive zu dem Thema. Der Handlungsstrang des Films orientiert sich weitestgehend an der Reise eines jungen deutschen Mannes auf die Phillipinen. Von den Ärzten in Deutschland aufgegeben, erhofft er sich Heilung in der für ihn so fremden Kultur. Die Filmemacherin hat ihn begleitet auf seiner Reise und liefert interessante Einsichten in die Gedanken und Hoffnungen des Patienten. Ein anderer Fixpunkt des Films ist die Gestalt eines vor Ort ansässigen, einheimischen Journalisten. Seine Analysen und Kenntnisse der verschiedenartigen Heilverfahren helfen dem Zuschauer in die fremde Materie, bieten Einblicke und sorgen für ein generelles Verständnis des Phänomens. Die Aussagen werden leicht verständlich und, wenn der Zuschauer sich auf den Film einlässt, glaubhaft präsentiert. Die Dokumentation verdeutlicht sehr eingehend wie eng Glaube und Heilung miteinander verknüpft sind. Den Begriff des Wunderheilers sollte man nicht allzu wörtlich sehen, sondern ihre Methoden eher als einen Bestandteil der alltäglichen Welt des Landes betrachten. Die erste Vorraussetzung für diesen Film ist eine Öffnung des eigenen Geistes. Wird diese durch ein allzu rationales Denken verhindert, kann es dem Film nicht gelingen seine Botschaft zu übermitteln. Diese ist geprägt von einer unabhängigen Herangehensweise, sie will nicht überzeugen, sondern den Zuschauer auffordern über ein Phänomen nachzudenken, von dem er vielleicht bisher allenfalls einmal gehört hat. Die Geistchirurgie wird nicht als letztes oder absolutes Heilmittel verkauft, sondern eher als eine Alternativlösung präsentiert die neben anderen ein Recht auf Koexistenz besitzen könnte. Die im Film vorgestellten Menschen, Patienten die einer Heilung bedürfen, erhalten diese keineswegs alle. Im Gegenteil ist die Heilungsquote eher gering: Ein blindes Mädchen wird nicht wieder sehend und auch der junge deutsche Mann stirbt letztendlich an den Folgen seiner Krankheit. Auf diese Weise wird vermieden ein durchweg positives Bild zu vermitteln. Die etwas düstere Begleitmusik verleiht dem Film bisweilen sogar einen zu pessimistischen Anstrich, der den Zuschauer jedoch gleichzeitig zum nachdenken anregt und ihn in eine Stimmung versetzt die anregt ganz einfach noch mal über das gerade gesehene zu grübeln.